Der ostpreußische Dickschädel

Veröffentlicht am 03.07.2020 in Nachruf

Bodo Kernbach (links) mit Dr. Karl Mommer und Willy Brandt

Anfang Juni verstarb Bodo Kernbach, der ehemalige Ortsvereins- und Fraktionsvorsitzende der SPD in Kornwestheim sowie Vorsitzender des SPD Kreisverbandes. Der aktuelle SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Michael Gritz erinnert sich an ihn. 

„Bodo Kernbach ist nicht mehr“ - ein ungewöhnlicher Wortlaut in einer Traueranzeige für einen ungewöhnlichen Mann, dem die SPD in Kornwest-heim viel verdankt.

Wer war Bodo Kernbach, wie hat er gewirkt? Am 24.12. 2007, mit damals 86 Lebensjahren, gab er sein letztes Amt in der SPD in jüngere Hände. Es war die Leitung des Seniorenkreises. Davor lagen annähernd 5 Jahrzehnte seines Wirkens für die sozialdemokratische Partei: als Ortsvereinsvorsit-zender von 1959 – 1976, als Gemeinderat in Kornwestheim von 1959 – 1994, als Kreisvorsitzender von 1965 – 1980, als Mitglied des Kreistages von 1965 – 1994. Viele andere Funktionen, die nicht unmittelbar mit der SPD zu tun haben, bleiben hier unerwähnt.

Zeitgenossen, die ihn gut kannten, gibt es nicht mehr viele, aber bei allen hat er bleibende Eindrücke hinterlassen. „Ein kämpferischer Sozialdemokrat“ wird er genannt, „einer der alten Schule“, „einer mit Ecken und Kanten“, einer mit dem der Umgang nicht immer leicht war“ und „ein ostpreußischer Dickschädel“.

Geprägt hat ihn seine Jugend in Ostpreußen und das Erlebnis des 2. Weltkrieges. Daraus ging ein Mensch hervor, der etwas bewegen wollte, der seine Ziele mit fast eisernem Willen und mit großer Disziplin verfolgte. Möglich gemacht wurde ihm dies vor allem auch durch seinen guten Geist im Hintergrund, seine Frau Margot, die ihm auch politisch eine ebenbürtige Partnerin war.

Der Lokführer Bodo Kernbach kam 1952 nach Kornwestheim, zuerst in die Holzgrundstraße. Nach kurzem Zögern entschloss sich Bodo Kernbach, in die SPD einzutreten. Über Jahre war die Eisenbahnerwohnung der Kernbachs danach ein Treffpunkt für Informationsaustausch, Diskussionen und manchmal auch zum Ausweinen bei kleineren Problemen.

Für Sozialdemokraten gab es reichlich Betätigungsmöglichkeiten: Die Wohnungsnot der Nachkriegsjahre war noch nicht beendet, das Sozialsystem war lückenhaft, die 40-Stunden-Woche für die meisten nur ein Wunsch. Frauen forderten gleichen Lohn für gleiche Arbeit.

1959 vollzog die Kornwestheimer SPD einen Wechsel im Parteivorsitz. Der neue Vorsitzende Kernbach kümmerte sich zuerst um die Jugend. Es begann der Aufbau einer Juso-AG.

Die Bundestagswahl 1961 wurde zu einem Erfolg, gerade auch der Kornwestheimer SPD. Bis auf drei Stimmbezirke wählten die Kornwestheimer überall mit Mehrheit SPD. Das Direktmandat im Wahlkreis ging an Dr. Karl Mommer. Ab 1966 war die SPD an Bonner Bundesregierungen beteiligt. Starke Ergebnisse in Kornwestheim machten es möglich, dass der Vorsitzende Kernbach unter anderem Willy Brandt, Helmut Schmidt und etwas später auch noch Gerhard Schröder, noch als Ministerpräsidenten von Niedersachsen, in seiner Stadt begrüßen konnte.

Bodo Kernbach, der einige Angebote in die große Politik zu gehen abgelehnt hatte, machte inzwischen noch eine weitere prägende Bekanntschaft. Er lernte Erhard Eppler kennen, der als einer der ersten die Tragweite eines neuen Problems erkannt hatte: der Umweltzerstörung. Es war keine Freundschaft auf den ersten Blick, aber dem Radfahrer Kernbach leuchteten Epplers Argumente dennoch ein. Es begann ein Briefwechsel, der bis ins hohe Alter andauerte und der Eppler auch mehrmals nach Kornwestheim brachte.

Obwohl selbst noch aktiv in der Politik, wandte sich Bodo Kernbach seit den 80-er Jahren immer mehr der Seniorenarbeit zu. „Politisch, aktiv und mobil“ sollte diese Arbeit sein „kein Kaffeekränzchen“. Aktiv blieb der weit über 90-jährige bis in seine letzten Lebensjahre mit dabei.

Bodo Kernbach starb am 7. Juni 2020 im Alter von 99 Jahren.

 
 

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