Wohnbebauung Nördlich Zügelstraße - die geplante Erweiterung der Siedlungsfläche sorgt für Diskussionen

Veröffentlicht am 19.04.2021 in Allgemein

Am 4. März 2021 waren die Mitglieder zur ersten Online-Veranstaltung des OV Kornwestheim eingeladen. Thema war die Wohnbauentwicklung unserer Stadt, die aktuell im Zusammenhang mit dem geplanten Neubaugebiet „Nördlich Zügelstraße“ im Fokus steht. Der Vorstand konnte unseren ersten Bürgermeister Daniel Güthler für die Veranstaltung gewinnen, zu dessen Geschäftskreis der Bereich Planen und Bauen gehört und der ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet ist. .

Die Historie

Die Idee zum Wohngebiet „Nördlich Zügelstraße“ stammt aus der Fortschreibung des Flächennutzungsplans 2030. Im FNP 2030 wurde die Wohnbaufläche im Bereich Ost IV nach langen Diskussionen auf 10 ha reduziert. Ziel war der Erhalt ökologisch wichtiger Freiräume in Richtung Neckartal. Als Ausgleich sind im FNP 2030 an anderen Stellen 6 ha Wohn-baufläche ausgewiesen, davon 2,8 ha im Bereich „Nördlich Zügelstraße“.

Die Fakten

Kornwestheim braucht mehr Wohnraum, der Bedarf steigt noch immer. Junge Kornwestheimer, die aus dem Elternhaus ausziehen, möchten in der Stadt bleiben. Die Wirtschaft in der Region Stuttgart, aber auch die Ansiedlung von großen Gewerbebetrieben in Kornwestheim sorgen weiterhin für Zuzug. Nicht zuletzt sind auch die Ansprüche an die Wohnraumversorgung gestiegen: Standen im Jahr 2000 durchschnittlich 40 m² pro Kopf zur Verfügung, sind es inzwischen 47 m². Stand März 2021 hat Kornwestheim 33.779 Einwohner. Die Siedlungsdichte liegt bei 2300 EW/km². „Bis 2035 werden mehr Enkel als Großeltern in Kornwestheim leben“, so Daniel Güthler. Und Hans-Michael Gritz er-gänzt: „Wir möchten den jungen Kornwestheimern eine Perspektive geben.“ Konnte seit 2001 der Zuwachs mit Maßnahmen der „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ aufgefangen werden, soll jetzt erstmals wieder ein Wohngebiet auf der grünen Wiese entwickelt werden. Aktuell sind 62% unserer Siedlungsfläche versiegelt. Eine weitere Flächenversiegelung will gut überlegt sein: Wieviel Wohnraum brauchen wir? Welche Zielgruppen sprechen wir an? Wie soll das Gebiet entwickelt werden, um die zusätzliche Versiegelung zu rechtfertigen? Schließt das Gebiet die Siedlung nach Norden ab, oder kann es noch weitergehen? Hier weist Daniel Güthler darauf hin, dass nördlich an das geplante Wohngebiet ein regionaler Grünzug anschließt. Das Gebiet „Nördlich Zügelstraße“ bildet also den Siedlungsrand. Die Stadt will – einem Beschluss des Gemeinderats folgend – nur Sied-lungsfläche entwickeln, die zu 100% in ihrem Eigentum steht. Nördlich der Zügelstraße ist der vollständige Erwerb von 2,3 ha gelungen. Deshalb wird die Planung auf diesen Flächenanteil beschränkt. Insgesamt möchte die Verwaltung ohnehin unter dem Entwicklungsziel von 16 ha aus dem FNP 2030 bleiben.

Diskussion im Ortsverein

 Die Diskussion drehte sich vor allem um folgende Fragen:

● Welche Einwohnerdichte soll nördlich der Zügelstraße angestrebt werden?

Die ursprünglich im Gemeinderat angedachte Zahl von 180 EW/ha er-scheint sowohl Herrn Güthler als auch den Teilnehmern dann doch zu hoch. Zum Vergleich: Im Stotzgebiet leben 102 EW/ha, im Sanierungsge-biet um die Hornbergstraße sind es 152 EW/ha, in Pattonville 107 EW/ha. Die Verwaltung peilt eine Dichte von über 100 bis max. 130 EW/ha an. Damit zeigen sich die Teilnehmer einverstanden.

● Wie wird das Gebiet verkehrlich erschlossen?

Ein Verkehrsgutachten, das die Verwaltung in Auftrag gegeben hat, zeigt, dass das Gebiet über die bestehenden Straßen erschlossen werden kann. Dürerstraße, Kirchtalstraße und Pflugfelder Straße sind ausreichend leistungsfähig, um eine gute Verkehrsqualität (Kategorie B) zu erzielen. An der Ludwigsburger Straße soll eine neue Bushaltestelle entstehen. So wird das Gebiet an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. Ein Eingriff in die denkmalgeschützte Allee und ein Anschluss direkt an die Ludwwigsburger Straße sind nicht erforderlich.

● Wie wird der Verkehr im Innern geführt?

Angedacht ist ein verkehrsberuhigtes Wohngebiet. Anstatt auf dem eigenen Grundstück sollen die Fahrzeuge in Quartiersgaragen untergebracht werden. Die Andienung durch Einsatzfahrzeuge, Müllfahrzeuge und auch Handwerker soll möglich sein. Ebenso müssen Abstellflächen für Pflege-dienste vorgehalten werden.

● Wie sieht das Wohngebiet der Zukunft aus?

Angestrebt wird ein klimaneutrales Wohngebiet, eventuell sogar ein Plus-Energiegebiet. Alternative Wohnformen sollen ebenso einen Platz finden wie Individuelles Wohnen, das ca. ein Viertel der Fläche einnehmen soll. Zum Siedlungsrand hin sollen die Gebäude in der Höhe gestaffelt werden. Die Fraktion legt großen Wert auf einen gefälligen Übergang in die freie Landschaft. Hier, am Siedlungsrand, sei auch individueller Wohnungsbau möglich. Die Grundstücke sollen nicht nach Höchstgebot, sondern nach einem vorzulegenden Konzept vergeben werden. Ziel ist ein Mehrwert für die Stadtgesellschaft und „Qualität für die, die da sind“. Eine besondere Aufmerksamkeit erfahren die öffentlichen Freiräume. Sie sollen eine hohe Aufenthaltsqualität erreichen, ein Raum für Begegnung und Integration im Gebiet sein. Daneben sollen sie ökologische Funktionen übernehmen, zum Beispiel der Wasserwirtschaft oder dem Kleinklima dienen. Wasser als Gestaltungselement ist gewünscht.

● Können die Grundstücke bevorzugt an Kornwestheimer vergeben werden?

Daniel Güthler sieht Möglichkeiten, die Grundstücke für das individuelle Wohnen nach einem Punktesystem zu vergeben, das auch den bisherigen Wohnort oder einen Arbeitsplatz in Kornwestheim berücksichtigen kann. Für den Geschosswohnungsbau sei dies nicht möglich.

● Reichen unsere bestehenden Schulen und Kindertagesstätten für das neue Gebiet aus?

Die Versorgung mit Kita-Plätzen soll im Wohngebiet sichergestellt werden. So können z.B. Erdgeschosszonen mit Kindertagesstätten belegt werden, die dann – bei evtl. sinkendem Bedarf – flexibel in andere Nutzungen überführt werden können. Im aktuellen Schulentwicklungsplan ist das Baugebiet „Nördlich Zügelstraße“ bereits berücksichtigt.

Wie geht es weiter?

Die SPD-Fraktion wird sich für die Umsetzung des neuen Baugebietes aussprechen. „Wir stehen nach der Reduzierung von Ost IV im Wort“, so Hans-Michael Gritz. Um eine qualitätvolle, wirtschaftliche und nachhaltige Planung zu erreichen, soll ggfs. ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt werden. Ziel ist es, ein möglichst breites Spektrum an Bau- und Wohnformen zu ermöglichen. Dabei soll sich das neue Gebiet an die bestehenden Wohngebiete anfügen und gleichzeitig den Siedlungsrand neu definieren. Bei einem Wettbewerb werden mehrere Planungsbüros dazu aufgefordert, ihre Vorschläge für die Ausgestaltung des Baugebietes einzureichen. Eine Jury aus Fachleuten und Vertretern des Gemeinderats kürt den Siegerentwurf, der dann nach Möglichkeit in einen Bebauungsplan münden soll. Zuvor wird sich jedoch der Gemeinderat in einer Klausurtagung nochmal ausgiebig mit dem Thema Wohnbauentwicklung und dem Gebiet „Nördlich Zügelstraße“ befassen. Dazu bestärkte die Diskussionsrunde die Fraktion in ihrer Zielrichtung, ein insgesamt moderates Wachstum Kornwestheims anzustreben. Zwischen 2001 und 2019 ist Kornwestheim um rund 3000 Einwohner gewachsen. Das könne nicht um jeden Preis so weitergehen. Auch dürfe Grund und Boden kein Spekulationsobjekt sein. Auch der Innenentwicklung und damit der Bebauung von innerstädtischen Flächen sollen Grenzen gesetzt werden. Es soll jeweils genau geprüft werden, wo Wohnungsbaupotential besteht und wo im Interesse des Klima-schutzes Grünflächen bestehen bleiben oder neu geschaffen werden sollen. Außerdem wird die Fraktion die Verwaltung bitten, die Eigentümer von Baulücken-Grundstücken anzusprechen und Zugriffsrechte auf Leerstände im Stadtgebiet zu prüfen.

 

Dieser Text stammt aus der neuen Ausgabe der "Roten Bank", der Informationsbroschüre der SPD Kornwestheim. Wenn Sie Interesse daran haben, diese Broschüre kostenfrei zu abbonieren senden Sie einfach eine Mail an rotebank@spd-kornwestheim.de

 

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