Karl Mommer – ein streitbarer, europäischer Geist

Veröffentlicht am 31.03.2010 in Kreisverband

- SPD feiert den 100. Geburtstag mit Festakt und Ausstellung -

Die Älteren unter der Remsecker Einwohnerschaft werden sich noch erinnern an den SPD Bundestagsabgeordneten, der 20 Jahre lang unseren Wahlkreis im Bundestag vertrat. Am 13. März wäre er 100 Jahre alt geworden. Dies nahm die SPD im Kreisverband Ludwigsburg zum Anlass, im Haus der SPD – in der Ludwigsburger Bärenstraße – eine Feierstunde abzuhalten und eine Ausstellung zu eröffnen.
Der Mann mit Kante und Humor vertrat in der Zeit von 1949 bis 1969 die SPD im Wahlkreis Ludwigsburg im Deutschen Bundestag und errang dabei dreimal das Direkt¬mandat. Für Karl Mommer, ein Mensch, der sich zeitlebens für die Achtung der Menschenrechte einsetzte, war sein soziales Engagement neben seinem umfangreichen politischen Wirken selbstverständlich.
In seiner Festrede betonte Claus Schmiedel, der Vorsitzende der SPD-Landtags¬fraktion, dass Mommer die repräsentative Demokratie aus geschichtlichem Bewusstsein heraus gelebt habe. Er sei wachsam gewesen gegenüber den großen Entwicklungen, habe Diktaturen kritisch beobachtet, aber niemals seinen Wählerauftrag vergessen.
Karl Mommer, der Sohn eines Metallarbeiters aus Wevelinghoven im Rheinland, war als 20jähriger in die KPD eingetreten und wurde wegen illegaler Arbeit für die Partei 1934 von der Gestapo verhaftet. In einem Prozess wegen Hochverrats wurde er zu 21 Monaten Ge¬fängnis verurteilt. Unmittelbar nach Verbüßung seiner Haftstrafe floh er nach Belgien. Ein Wende¬punkt im Leben von Karl Mommer war das Jahr 1937, als er mit der KPD brach und in die SPD eintrat. Nachdem er als Bauer in Südfrankreich den Krieg über¬standen hatte, wurde er zu einem „Mann der ersten Stunde“, der sich für den Aufbau einer frei¬heitlichen Demokratie einsetzte und eine scharfe Abgrenzung zum Kommunismus vertrat.
Als „einen aufrechten, integeren und wehrhaften Demokraten, auf den man sich verlassen konnnte“ beschrieb ihn auch sein letzter persönlicher Referent Burkhardt Siebert bei seiner Rede auf dem Festakt. „Mommer war im positiven Sinne machtbewusst“, so Siebert weiter. Er habe nie die Bodenhaftung verloren und immer die Sorgen und Nöte der Menschen erfasst.
Dr. Karl Mommer, in der SPD – neben Carlo Schmid – der Frankreichexperte im Bonner Parlament, stritt an erster Stelle mit Bundeskanzler Adenauer gegen das zweite Saarstatut. Sein Ziel war, das Saarland weiterhin als Teil der Bundesrepublik zu erhalten. Sei besonderer Einsatz galt der wirtschaftlichen und politischen Integration Europas. In zahlreichen Gremien stellte er seine große politische und parlamentarische Erfahrung zur Verfügung, so etwa im Beirat für Entschädigungsfragen oder als Vorsitzender der Atlantischen Gesellschaft.
Alle vier Kinder Mommers und weitere Familienangehörige, sowie sein letzter persönlicher Referent waren zur Ausstellungseröffnung gekommen. Ebenfalls auf dem Bild sind die Abgeordneten Claus Schmiedel und Wolfgang Stehmer, der SPD Kreisvorsitzende.
Für die Ausstellung und die Festschrift über das Leben und Wirken von Karl Mommer wurden verschiedene Unterlagen aus Archiven und unter Mithilfe der Familie zusammengetragen. Daran mitgewirkt haben auch Mitglieder der SPD Remseck: Erika und Günter Raupp sowie Fritz Stockinger, der seit früher Jugend mit den Kindern Mommers verbunden war.
Die Ausstellung, die einen besonderen geschichtlichen Beitrag aus den Anfängen der Bundesrepublik Deutschland nach 1945 verdeutlicht, kann noch bis zum 9. April täglich von 14.oo bis 17.oo Uhr im Haus der SPD, Ludwigsburg, Bärenstraße 5 besichtigt werden. Dort ist auch die Festschrift erhältlich.
Zudem kann man sich ab sofort für den „Karl-Mommer-Preis“ der in diesem Jahr unter dem Motto Menschenrechte – Zivilcourage steht, bewerben. Seit 1994 wird dieser Preis verliehen. Mit ihm soll gemeinnütziges Engagement im Landkreis Ludwigsburg gewürdigt werden.

Für die SPD Remseck a. N.
gez. Kurt Goldmann
Vorsitzender