‚Frauen und Geld - Wider die ökonomische Unsichtbarkeit von Frauen‘

Veröffentlicht am 19.03.2009 in Ortsverein

Christine Rudolf, MdL und Buchautorin zu Gast bei der SPD Remseck a.N.
Lesung anlässlich des Internationalen Frauentages 2009 im Gasthaus Mühle Aldingen

Weltweit wird von Frauenorganisationen am 8.März der ‚Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden‘ oder kurz: der Internationale Frauentag oder auch Weltfrauentag begangen. Entstanden ist dieser Tag in der Zeit um den ersten Weltkrieg, im Kampf um Gleichberechtigung und um das Wahlrecht für Frauen.
Für die Remsecker SPD ist der Tag seit vielen Jahren Anlass um Rosen zu verteilen, so auch in diesem Jahr. Rosen waren das eine Symbol, mit dem die Textilarbeiterinnen im 19.Jahrhundert für menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen gestreikt haben. In ihrer Forderung ‚Brot und Rosen‘ wird deutlich, dass es den Frauen zusätzlich und an erster Stelle aber auch um gerechten Lohn ging.
Dass diese Forderung nach Lohngerechtigkeit für Frauen bis heute noch nicht eingelöst ist, zeigte die Lesung von und mit Christine Rudolf und ihrem im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Historikerin R. Johanna Regnath erschienenen Buch ‚Frauen und Geld‘.
In drei Etappen, nämlich unter geschichtlichen, soziologischen und politischen Gesichtspunkten erläuterte die in Freiberg a. N. lebende Landtagsabgeordnete, welche Gründe es gibt, dass auch 2008 der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen rund 22% unter dem der Männer liegt und warum Deutschland zu den Staaten mit der größten Ungleichheit bei der Bezahlung von Männern und Frauen gehört.
Benachteiligung und strukturelle Ungleichheit werde allzu gerne mit den natürlichen Unterschieden zwischen den Geschlechtern gerechtfertigt, erläuterte Christine Rudolf in ihrer spannenden und kurzweiligen Analyse.
Immer noch werde die Tatsache, dass Frauen jahrhundertelang systematisch und weitgehend vom Besitz ausgeschlossen wurden damit erklärt, dass sie selbst Schuld daran seien, wenn sie keinen Zugang zum Geld hätten. Berufswahlverhalten, Teilzeitarbeit, Ausfallzeiten wegen Kindererziehung, Angst vor Gehaltsverhandlungen, zu wenig Karrierestreben sind aber eben nicht nur die Voraussetzungen, sondern auch die Folgen des Ausschlusses von Geld und Macht.
Gerade aus den südwestdeutschen Familienunternehmen im 19. und 20.Jahrhundert waren, ökonomisch gesehen, sehr wirkungsmächtige Unternehmerinnen hervorgegangen, die aber gesellschaftlich weitgehend unsichtbar geblieben sind. Selbst diese erfolgreichen Frauen wurden häufig nicht als richtige Unternehmerinnen gesehen, sondern eben nur als Erbinnen oder Statthalterinnen für männliche Nachkommen.
Für die kommunale Haushaltspolitik des 21.Jahrhunderts könnte das sog. Gender Budgeting ein neuer und viel versprechender Ansatz sein. Gender Budgeting bedeute, so Christine Rudolf, die Herstellung von mehr Transparenz in der gesamten Haushaltsplanung und Ausgabenpolitik und dies eben auch im Hinblick auf die Verteilungsgerechtigkeit zwischen Männern und Frauen.
Wir bleiben dran an den Themen ‚Gute Arbeit-gerechter Lohn‘ für Frauen und Männer, auch in Remseck.

Für die SPD Remseck a.N.
Angelika Feurer stv. Ortsvereinsvorsitzende Stadträtin
Erika Raupp Fraktionsvorsitzende
Judith Raupp Kreisrätin